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Gemeinde Tamm (Druckversion)

19. Jahrhundert

19. Jahrhundert

Die Epoche der Französischen Revolution und Napoleons (1789 - 1815) war eine Zeit fortwährender Kriege. Auch wenn unsere Gegend nicht Kriegsschauplatz wurde, so litt die Bevölkerung dennoch sehr unter der ihr aufgelegten finanziellen Bürde. Besonders beschwert aber fühlte sie sich durch die Zwangsaufhebung der jungen Männer zum Militärdienst und durch die Teilnahme württembergischer Truppenkontingente an den Feldzügen Napoleons. Viele Soldaten verloren ihr Leben auf fernen Schlachtfeldern oder kehrten mit zerschossenen Gliedern als Krüppel nach Hause zurück. Während des Jahres 1812 gingen rund 15 000 Württemberger in den Weiten Rußlands elend zugrunde. Unter ihnen befanden sich wenigsten zehn Männer aus Tamm.

Die Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo im Juni 1815 führte für die Staaten Mitteleuropas zu einem dauerhaften Frieden. Leider bedeutete dieser langersehnte Frieden für unsere Heimat keineswegs den Beginn eines wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs. Das Gegenteil war der Fall.

Das Hungerjahr 1816/17 traf die Bevölkerung hart. diese akute Notsituation konnte überwunden werden. Die Armut aber blieb, und sie wurde infolge der stetig höher ansteigenden Einwohnerzahlen für viele Gemeinden zu einem außer Kontrolle geratenden sozialen Problem.

Landwirtschaft und Handwerk boten den ins Arbeitsleben drängenden jungen Menschen nur sehr beschränkt Erwerbsmöglichkeiten. Unzählige sahen in der Auswanderung nach Amerika und Osteuropa den einzigen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere.

Trotz wachsender Bevölkerung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war Tamm noch immer ein vergleichsweise wohlhabender Ort. Dort machte das Armenproblem nicht in gleicher Weise wie etlichen seiner Nachbargemeinden zu schaffen. Jedoch wanderten mindestens 200 Erwachsene und Kinder von Tamm aus. Bei den Auswanderern standen wirtschaftliche Motive eindeutig im Mittelpunkt. Mitunter, so vor allem bei der Auswanderung nach Rußland 1816/17, waren es jedoch auch religiöse Gründe, die die Einwohner zum Verlassen der Heimat bewogen.

Im Jahr 1834 gesellte sich zum Hauptort und zum Fißlerhof als dritter Wohnplatz auf der Gemeindemarkung der Weiler Hohenstange an der damaligen Staatsstraße Nr.1 des Königreichs Württemberg hinzu.

Der zeitweilige Rückgang der Einwohnerzahl hatte seine Hauptursache in der verkehrsmäßigen Benachteiligung Tamms. Beim Bau der Eisenbahnstrecke Ludwigsburg - Bietigheim im Jahr 1847 hatte nämlich die Gemeinde aus finanziellen Erwägungen die ihr von der Bahnverwaltung zu günstigen Bedingungen angebotene Errichtung einer Bahnstation abgelehnt, und dies, obwohl die Bahntrasse mitten durch die Gemarkung führte.

Schultheiß, Gemeinderat und Bürgerausschuß erkannten sehr bald, daß sie eine Fehlentscheidung getroffen hatten. und sie taten alles, diese zu revidieren. Doch erst 1877 hatten sie Erfolg.

http://www.tamm.org//de/gemeinde-daten/chronik/19-jahrhundert