19. Jahrhundert

Trotz wachsender Bevölkerung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war Tamm noch immer ein vergleichsweise wohlhabender Ort. Dort machte das Armenproblem nicht in gleicher Weise wie etlichen seiner Nachbargemeinden zu schaffen. Jedoch wanderten mindestens 200 Erwachsene und Kinder von Tamm aus. Bei den Auswanderern standen wirtschaftliche Motive eindeutig im Mittelpunkt. Mitunter, so vor allem bei der Auswanderung nach Rußland 1816/17, waren es jedoch auch religiöse Gründe, die die Einwohner zum Verlassen der Heimat bewogen.

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Im Jahr 1834 gesellte sich zum Hauptort und zum Fißlerhof als dritter Wohnplatz auf der Gemeindemarkung der Weiler Hohenstange an der damaligen Staatsstraße Nr.1 des Königreichs Württemberg hinzu.

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Der zeitweilige Rückgang der Einwohnerzahl hatte seine Hauptursache in der verkehrsmäßigen Benachteiligung Tamms. Beim Bau der Eisenbahnstrecke Ludwigsburg - Bietigheim im Jahr 1847 hatte nämlich die Gemeinde aus finanziellen Erwägungen die ihr von der Bahnverwaltung zu günstigen Bedingungen angebotene Errichtung einer Bahnstation abgelehnt, und dies, obwohl die Bahntrasse mitten durch die Gemarkung führte.

Schultheiß, Gemeinderat und Bürgerausschuß erkannten sehr bald, daß sie eine Fehlentscheidung getroffen hatten. und sie taten alles, diese zu revidieren. Doch erst 1877 hatten sie Erfolg.

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Der Eisenbahnanschluß, ein Postamt sowie der Ausbau der Straßenverbindung zu den Nachbarorten leiteten einen neuen Aufschwung der Gemeinde ein, der bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. Das örtliche Handwerk blühte auf, und die ersten Industriebetriebe siedelten sich an. Mit dem Bahnanschluß verbesserten sich auch die Absatzchancen der Landwirtschaft und der neu errichteten Gärtnereibetriebe. Die Zahl der Arbeiter, die im Stuttgarter Wirtschaftsraum und in Ludwigsburg Beschäftigung fanden, war in ständigem Ansteigen begriffen. Auch gewann das Dorf auf auswärtige Wohnungssuchende eine zunehmende Anziehungskraft. Die Gemeinde trug zeitgemäßen Bedürfnissen Rechnung. Im Jahr 1907 bekam das Dorf eine moderne Wasserleitung, nachdem es bereits im Vorjahr an die elektrische Stromversorgung angeschlossen worden war.

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Die chronische Schulraumnot konnte 1913 durch einen großzügigen Schulhausneubau an der Bissinger Straße behoben werden.

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) erlegte der Gemeinde mit 55 Gefallenen hohe Blutopfer auf. Die Niederlage von 1918, die schwierigen Nachkriegsjahre, die mit dem Amoklauf der Inflation im Jahr 1923 ihren Gipfelpunkt erreichten, drückten auch Tamm ihren Stempel auf.

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Die begonnene Flurbereinigung konnte 1910 nur zögernd wieder aufgenommen werden. Nach kurzer wirtschaftlicher Erholung brach mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 neues Unheil herein. Tamm schnellte wie anderwärts die Zahl der Arbeitslosen sprunghaft nach oben.

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Im Jahr 1933 gelang es der rechtsradikalen Nationalsozialistischen Bewegung, sich in den Besitz der Regierungsgewalt in Deutschland zu setzen. In Tamm hatten die Vertreter der Hitler-Partei jetzt gleichsfalls das Sagen. Bürgermeister Karl Mammele, der sich gegenüber der NS-Bewegung nicht willfähig genug zeigte, hatte einen schweren Stand. Er war im September 1935 schließlich gezwungen, seine vorzeitige Pensonierung zu beantragen.Unmittelbar nach seiner Zurruhesetzung nahm sich der Verzweifelte das Leben. Der vom Hitler-Regime entfesselte Kirchenkampf machte selbst vor einer Landgemeinde wie Tamm nicht halt. Pfarrer und kirchliche Kreise mußten sich immer wieder von Parteifunktionären Schikanen und Demütigungen gefallen lassen, zumal die den christlichen Glauben im Sinne der NS-Ideologie verfälschende Deutschen Christen hier keinen Boden zu gewinnen vermochten.

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Auf den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1.September 1939 reagierte die Bevölkerung mit Bestürtzung und Trauer. Die Opfer und Schrecken des Ersten Weltkriegs waren noch in allgemeiner Errinerung. Tamm erlebte bereits am 12./13.Oktober 1941 seinen ersten Luftangriff. Mehrere Häuser wurden getroffen, ein landwirtschaftliches Anwesen eingeäschert.

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In den Jahren 1943 und 1944 fielen zahlreiche spreng- und Brandbomben auf Tammer Gemarkung. Doch hatte das Dorf unwahrscheinliches Glück : Die Bomben gingen fast ausnahmslos auf freiem Feld nieder und verursachten dadurch nur geringe Schäden. Im April 1945 wurde unsere Heimat Kriegsschauplatz. In Bietigheim standen sich zwölf Tage deutsche und französische Truppen gegenüber. Tamm war während dieser Tage wiederholt das Ziel feindlicher Artillerieüberfälle, bei denen mehrere Einwohner und hier befindliche deutsche Soldaten getötet oder verwundet, etliche Gebäude zerstört oder schwer beschädigt wurden. In der Nacht vom 21. auf den 22.April 1945 ergriffen französische Kriegsgefangene Besitz vom Rathaus und übernahmen für mehrere Tage in der Gemeinde die vollziehende Gewalt. Im Juli 1945 ging Tamm mit 19 anderen Gemeinden des westlichen Ludwigsburger Kreisgebiets von der französischen an die amerikanische Besatzungsmacht über. Im Zweiten Weltkrieg hatte Tamm an der Front und in der Heimat 75 Menschenleben zu beklagen.

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