18.Jahrhundert

In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts konnten die noch aus dem Dreißigjährigen Krieg herrührenden Baulücken geschlossen werden. Die Bevölkerung erreichte 1741 mit 543 Frauen, Männern und Kindern den Vorkriegsstand. Sie wuchs rasch weiter an. Im Jahr 1800 zählte die Gemeinde 843 Einwohner. Seit 1783 gab es auf der Gemarkung außer dem Hauptort nahe dem abgegangenen Brachheim einen zweiten Wohnplatz : den Fißlerhof, zunächst auch bloß Hof oder aber Lausegertenhof genannt. Der Gründer des Hofs, der Tammer Bauer Georg Fißler, versprach sich von seiner Siedlungsinitiative eine bessere Nutzung der an der Gemarkungsgrenze gegen Bietigheim gelegenen Grundstücke, vor allem auch der Weingärten in den Lausegerten.

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Das starke Bevölkerungswachstum führte innerhalb der Einwohnerschaft zu sozialen Spannungen. Die Zahl der minderbemittelten Familien stieg an. Doch im Gegensatz zu Nachbargemeinden wie Asperg oder Bissingen wurden die teilweise vom Bettel lebenden Ortsarmen für das Dorf zu keinem beinahe unlösbaren Problem.

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Die verhältnismäßig große und insgesamt recht fruchtbare Gemarkung, die zudem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts durch neue Bewirtschaftungsmethoden (Einführung des Kartoffel - und Kleeanbaus im Brachfeld, ganzjährige Stallfütterung des Viehs, verbesserte Ackerbaugeräte) intensiver genutzt wurde, gewährte auch den Unbemittelten Arbeits - und Verdienstmöglichkeiten. Zudem brauchte das aufstrebende Dorf eine größere Zahl tüchtiger Handwerker.

Anfang 1760 erfolgte der Bau des Abschnitts Ludwigsburg - Bietigheim und der Staatsstraße Stuttgart - Heilbronn, der nicht ohne günstige Auswirkung auf die wirtschaftliche Situation Tamms blieb. Diese Staatsstraße, die heutige B27, löste die alte Landstraße Cannstatt - Stammheim - Asperg - Bietigheim ab, an die noch heute der alte Weg östlich des Bahnhofs erinnert.

Im Jahr 1770 legte die herzogliche - württembergische Straßenbauverwaltung die vom Holzgarten in Bissingen ausgehende sogenannte Holzstraße an, die in schnurgerader Richtung auf die neue Staatsstraße, damals Heilbronner Chaussee genannt, zustrebte. Diese Straße, auf die bis zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke Ludwigsburg - Bietigheim im Jahr 1847 ein lebhafter Fuhrverkehr herrschte, diente vornehmlich der Holzversorgung der Residenzstadt Ludwigsburg und der holzarmen Gemeinden der Umgebung.

Die Epoche der Französischen Revolution und Napoleons (1789 - 1815) war eine Zeit fortwährender Kriege. Auch wenn unsere Gegend nicht Kriegsschauplatz wurde, so litt die Bevölkerung dennoch sehr unter der ihr aufgelegten finanziellen Bürde. Besonders beschwert aber fühlte sie sich durch die Zwangsaufhebung der jungen Männer zum Militärdienst und durch die Teilnahme württembergischer Truppenkontingente an den Feldzügen Napoleons. Viele Soldaten verloren ihr Leben auf fernen Schlachtfeldern oder kehrten mit zerschossenen Gliedern als Krüppel nach Hause zurück. Während des Jahres 1812 gingen rund 15 000 Württemberger in den Weiten Rußlands elend zugrunde. Unter ihnen befanden sich wenigsten zehn Männer aus Tamm.

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Die Niederlage Napoleons in der Schlacht bei Waterloo im Juni 1815 führte für die Staaten Mitteleuropas zu einem dauerhaften Frieden. Leider bedeutete dieser langersehnte Frieden für unsere Heimat keineswegs den Beginn eines wirtschaftlichen und sozialen Aufstiegs. Das Gegenteil war der Fall.
Das Hungerjahr 1816/17 traf die Bevölkerung hart. diese akute Notsituation konnte überwunden werden. Die Armut aber blieb, und sie wurde infolge der stetig höher ansteigenden Einwohnerzahlen für viele Gemeinden zu einem außer Kontrolle geratenden sozialen Problem.

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Landwirtschaft und Handwerk boten den ins Arbeitsleben drängenden jungen Menschen nur sehr beschränkt Erwerbsmöglichkeiten. Unzählige sahen in der Auswanderung nach Amerika und Osteuropa den einzigen Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere.