14. Jahrhundert

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Kirchlich gehörte das Dorf im 14. Jahrhundert zu Markgröningen. Es besaß jedoch eine Kapelle oder Filialkirche. Diese war St. Bartholomäus geweiht. Die weite Entfernung von der Mutterkirche hatte für die Bewohner von Tamm manche Unannehmlichkeiten. Um einen Priester in den Ort zu bekommen, der täglich eine Messe las und die Einwohner seelsorgerisch betreute, stifteten Schultheiß und Gemeinde 1331 eine Frühmesse. Daß ein Dorf in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, offenbar ohne Vermittlung der Ortsherrschaft, eine so wichtige Pfründe errichten und aus eigenen Vermögen ausstatten konnte, war ungewöhnlich. Tamm muß schon damals ein verhältnismäßig wohlhabender Ort gewesen sein.
Auch verfügten seine Bewohner bereits über eine bemerkenswerte Eigenstänigkeit bei der Verwaltung ihrer kommunalen Angelegenheiten. Seine kirchliche Verselbständigung indes erreichte es erst Mitte des 15. Jahrhunderts. In jene Zeit fiel auch der Neubau des Gotteshauses. Unter der Leitung des Baumeisters Heinzelmann entstand die imposante spätgotische Chorturmanlage, die bis heute das beherrschende Wahrzeichen der Gemeinde ist

Die große Gemarkung mit ihren fruchtbaren Böden ermöglichte den Tammern schon im Spätmittelalter einen ausgedehnten Ackerbau. Daneben spielte der Weinbau eine nicht unbedeutende Rolle. In der Hurst, im Bäumle, im Brächter und in den Lausgerten befanden sich die ergiebigsten Rebflächen. Der Grund und Boden war nur zum kleineren Teil bäuerlicher Eigenbesitz. Der Löwenanteil gehörte Grundherrschaften. Unter diesen sind an erster Stelle die Grafen (seit 1495 Herzöge) von Württemberg zu nennen, sodann das Benediktiner-
kloster Lorch im Remstal, das Heilig - Geist - Spital in Markröningen,die Frühmesse in Möglingen sowie mehrere Kaplaneipfründen in der Markröninger Stadtkirche.

Die einzelnen Grundherrschaften hatten den Bauern ihre Güter, bei denen es sich vielfach um stattliche Höfe handelte, in der Rechtsform von Erblehen überlassen. Die Lehensträger konnten diese Güter vererben, mit herrschaftlichen Zustimmung auch vertauschen, verkaufen oder aufteilen, sie besaßen über sie eine weitgehende Verfügungsgewalt. Belastet waren die Lehen mit exakt festgelegten Natural- und Geldabgaben. Hinzu kamen noch die Zehnten, d.h. der zehnte Teil der Erträge; sie mußten auch von den bäuerlichen Eigengütern geleistet werden. Die ländliche Bevölkerung wurde jedenfalls in mannigfaltiger Weise zur Kasse gebeten.

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Herzog Ulrich führte in Württemberg 1534/35 die Reformation ein. Auch Tamm wurde damals evangelisch. Der Schmalkaldische Krieg von 1546/47, den Kaiser Karl V. gegen die evangelischen Reichsstände führte, stellte vorübergehend den Fortbestand der Reformation in Frage. Der Hohenasperg erhielt eine spanische Besatzung. Diese drangsalierte in übler Weise die Bevölkerung der benachbarten Orte. Mit dem Augsburger Religionsfrieden im Jahr 1555 besserten sich die
Verhältnisse. Herzog Christoph, der Sohn Herzog Ulrichs, gab im Zusammenwirken mit dem Schwäbisch Haller Reformator Johannes Brenz der evangelischen Kirche Württembergs eine festgefügte äußere und innere Form, die zweieinhalb Jahrhunderte lang ihre Gültigkeit behielt. Die geistliche Obrigkeit übte fortan bestimmenden Einfluß auf die Lebensführung der Untertaten aus. Der von ihr praktizierte moralisch - sittliche Rigorismus erstickte alle Lebensäußerungen, die nicht strenger christlicher Glaubensauffassung entsprachen, so fast alle öffentlichen Lustbarkeiten und Feste.